Die meisten Kinder, welche recht ausgeprägte Bewegungsamplituden aufweisen und aggressiv werden, sind mit Ihrer Umgebung meist unterfordert und dadurch überfordert.
Sie haben eine, aus welchem Grund auch immer (Traumata, Konflikte in der Partnerschaft, Probleme in der Schwangerschaft, Genetik etc.), besondere Fähigkeit sowie einen erhöhten Energievorrat und können diesen nicht abarbeiten. Sie haben das Bedürfnis mehr zu tun, wie andere Kinder. Auch haben sie das Bedürfnis komplexeres oder abwechslungsreicheres zu tun wie andere Kinder.
Sie weisen meist besondere Eigenschaften auf, die andere Kinder weniger haben, und diese Eigenschaften werden in der Umgebung nicht oder zu wenig abgefordert.
Viele, welche ich in der praktischen Arbeit kennen gelernt habe, besitzen eine oder mehrere Hochbegabungen, die bisher nicht erkannt wurden. Meist sind solche Kinder in einer nicht förderlichen Umgebung, oft auf der komplett falschen Schule oder sind an einer entsprechenden Schulform, die ihre Belange und Fertigkeiten nicht zu fördern in der Lage sind. So gibt es an den Sonderschulen eine Menge Kinder mit einem IQ von 130 und höher, da sie in der direkten Umgebung verhaltensauffällig und frustriert wurden.
Es muss nicht die Regel sein, dass es hierbei nur um hochbegabte Kinder geht, es ist aber ein Aspekt von vielen, der das Kind in einen Stresszustand versetzt. Die Stressursachen sind weitreichend und müssen im individuellen Beziehungsgefüge mit den Eltern gemeinsam untersucht werden.
Die Eigenregulationsversuche fördern
Das Kind versucht Stress und Frustration immer mit erhöhter Bewegung auszugleichen, was dann aufgrund der Vollendungstendenz des Organismus, immer Vorrang vor allen anderen aktuellen Themen hat. Es handelt sich um den Versuch Erregung abzubauen.
Wenn das Kind nun nicht in der Lage ist, seinen Bewegungsumfang abzurufen (mindestens 12 km laufen am Tag u.a.), dann gerät das Kind meist in eine solche Stressreaktion. Die Ausschüttung der Stresshormone sorgt dann für eine fight-flight-Reaktion die nur Kampf oder Flucht (im Sinne eines Selbsterhaltungstriebes) zulässt. Denken ist dann weniger gefragt, kompensiert wird mit Anspannung oder simulierter Bewegung (Computerspiele, Krämpfe, oppositionelles Verhalten, Schreiattacken etc.). Die Stresshormone setzen sich in die Synapsen (Kontaktstellen der Nervenzellen), hemmen dann den Informationsfluss und kognitive Fähigkeiten, wir sprechen von einer corticalen Hemmung. Natürlich gerät dann der Serotonin– und Dopaminhaushalt in ein Ungleichgewicht. Allerdings wäre das dann nur die Öllampe, und besitzt eine dahintersteckende Regulationslogik. Die Folge ist eine Einschränkung der Aufmerksamkeit hinsichtlich der unmittelbaren Situation, der Konzentration und der Merkfähigkeit, wenn sie nicht der Befreiung dienlich ist. Ähnlich wie bei traumatisierten Menschen. Das Kind versucht nun über einen erhöhten Bewegungsdrang bzw. Aggression sich aus der Spirale zu befreien: Die Muskelspannung steigt, Aggression nimmt zu, Konzentration geht gegen Null, es sei denn die Tätigkeit fordert die Fähigkeiten der Kinder ab. Wenn nichts mehr möglich erscheint, und von außen weitere Einschränkungen im Rahmen von Bewegungsfrustrationen hinzu kommen kommt es schließlich zur Implosion (ggf. ein Krampfanfall), das Kind entwickelt dauerhafte Schäden.
Eine Menge an Kindern, die ich in der praktischen Arbeit kennen gelernt habe und die Diagnose ADHS hatten, weisen eine Hochbegabung auf oder besitzen eigentlich eine unvergleichlich höhere Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit wie andere Kinder. Viele haben ein sehr dominantes Auftreten und weisen Führungseigenschaften auf. (Alpha-Eigenschaften: erhöhte Aggressivität, Neugier, Beweglichkeit, Dickköpfigkeit, Unerschöpfbarkeit). Eigenschaften, die in der freien Natur von Vorteil wären, jedoch in der Zivilisation als Störung wahrgenommen werden.
Sichtbar wird dies allerdings nicht in der Testsituation auf dem Stuhl, sondern kann in einem besonderen Verfahren am EEG abgelesen werden (siehe Haffelder).
Es ist daher von größter Wichtigkeit, zunächst zu überprüfen, ob das Kind o.g. Eigenschaften aufweist. Dies geht nur im Rahmen einer Gesamtanalyse der Situation, damit eine kausale Hilfe erfolgen kann.
Alternativen zum Ritalin sind hier zu finden.
Bei weiteren spezifischen Fragen betrate ich Sie gerne in der Praxis.